Virtuelles 3D-Modell der Kaiserpfalz bietet neue Einblicke

Goslar. Die eindrucksvolle Goslarer Kaiserpfalz gibt es nun auch als digitales Modell. Die Stadt Goslar, die Goslar Marketing GmbH (GMG), das Rammelsberger Bergbaumuseum und die Goslarer Firma „Makerlounge“ haben gemeinsam drei bedeutende Orte als 360-Grad-Aufnahmen visualisiert: Die Kaiserpfalz, das Odeon-Theater und Teile des Besucherbergwerkes Rammelsberg. Der Impuls für das Kooperationsprojekt sei aus der Digitalisierungs-Arbeitsgruppe GoSMART gekommen, erläuterte Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk bei der Vorstellung des Projekts. Zu dieser Arbeitsgruppe unter der Federführung von Oliver Kasties, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste, gehört seit ihrer Anfangsphase 2017 auch Stefan Nitz, Inhaber von Makerlounge 3D-Studio.

„Ich arbeite mit einem speziellen 3D-Scanner – so eine Art Roboterkopf auf einem Stativ, der sich um 360 Grad drehen kann. Der macht hochauflösende HDR-Bilder und erfasst die Geometrie mit einer Infrarot-Technologie“, erläuterte Nitz in möglichst einfachen Worten das komplizierte Prozedere. Das 3D-Modell gibt Einblicke in Bereiche, die dem Besucher sonst verborgen bleiben: Der imposante Dachstuhl ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, kann jetzt aber wie die gesamte Kaiserpfalz virtuell besichtigt werden. Aber nicht nur die einzelnen Räume lassen sich anschauen, die Software bietet auch eine Puppenhausansicht auf das gesamte Gebäude. Und das Ganze lässt sich sogar mit einer VR-Brille, einer Virtual-Reality-Brille, erleben.

Dass der digitale Rundgang einen Besuch ersetzen kann, glaubt Christoph Gutmann nicht. Der Fachdienstleiter Kultureinrichtungen und wissenschaftliche Dienste sieht vielmehr einen Zugang, der bisher nicht möglich war, und hat bereits weitere Ideen. Denkbar sei etwa die Verknüpfung mit Eintrittstickets, damit die Besucher anschließend auch zu Hause die Kaiserpfalz nochmals besichtigen können. Auch Gerhard Lenz, Museumsleiter des Rammelsbergs, sieht das 3D-Modell als „spannende Ergänzung unseres Portfolios“. Von 28 Kilometern untertägiger Anlagen könne man knapp 4 Kilometer den Besuchern zeigen. Der Rest ist aus Sicherheits-, Brandschutz- oder Denkmalschutzgründen nicht zugänglich.

Genauso lassen sich Gebäude konservieren, die abgerissen oder umgebaut werden. Als Stefan Nitz von der Abrissparty im Odeon las, schrillten seine Alarm- bzw. Scanner-Glocken. Die neuen Eigentümer Dr. Gert Meinhof und Dirk Felsmann unterstützten das Projekt sofort. Damit kann das Odeon auch nach dem bevorstehenden Abriss weiterhin besichtigt werden – virtuell. Nitz erfüllte außerdem einen Traum von Holger Dettmer, Fachdienstleiter IT-Service. Er verknüpfte historische Fakten und persönliche Geschichten. So ist auf der Bühne zum Beispiel zu einer Audio-Aufnahme von Depeche Mode verlinkt, die 1982 im Odeon spielten, oder zu einem Youtube-Video des CDU-Gründungsparteitages. Nach dem Umbau des Odeons möchte Nitz auch das Ergebnis noch einmal digitalisieren.

Nicht nur Marina Vetter von der GMG sieht enorme Chancen für den Tourismus und wünscht sich bereits weitere Aufnahmen – etwa vom Huldigungssaal. Auch Dr. Oliver Junk hat bereits eine konkrete Vorstellung. „Wir werden ein Welterbeeinformationszentrum im nächsten Jahr eröffnen. Da wollen wir Appetit machen, den authentischen Ort zu besuchen“, so der Oberbürgermeister. Die Frage sei, wie lade ich 250.000 Besucher so positiv auf, dass die da auch hingehen? Das 3D-Modell als Appetitmacher sei ideal. „Es geht doch nicht besser.“

Die 3D-Modelle können ab sofort im Internet besichtigt werden – unter anderem auf https://www.goslar.de/tourismus/webcams-videos/360-grad-3d-rundgaenge.

Foto (Stadt Goslar/Ritter): Stefan Nitz (von links), Holger Dettmer, Oliver Kasties, Gerhard Lenz, Marina Vetter, Dr. Oliver Junk und Christoph Gutmann sehen viele Einsatzmöglichkeiten für die 3D-Modelle.

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